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Ein zweifelhafter Ruf haftet sowohl der Kryptowährung Bitcoin wie auch dem Darknet an. Medien schildern beide gerne als undurchsichtige, kriminelle Parallelwelten. Für Ransomware as a Service sind Bitcoin und Darknet willkommene Werkzeuge. Das organisierte Verbrechen hat sie sich längst zu Nutze gemacht, um seine Geschäfte zu verschleiern, auch wenn die Kriminellen damit keineswegs anonym und sicher vor Strafverfolgung sind.

Ransomware wurde 2021 zur weltweit größten Bedrohung von IT-Systemen. Wer sich erfolgreich davor schützen will, muss auch verstehen, wie die Beteiligten vorgehen. Im ersten Teil dieser Artikelserie ging es um das Geschäftsmodell von Ransomware as a Service. Teil zwei zeigte, warum diese „Professionalisierung“ auch zu einem veränderten Mindset bei den Angreifenden führt. Der dritte Teil erklärt nun, warum die IT-Werkzeuge, die die organisierte Kriminalität zur Bestellung und zur Geldübergabe nutzt, keineswegs sicher sind.

Ransomware as a Service: abstraktes Bild des Bitcoin-Logos

Anonym und sicher?

Bitcoin als Zahlungsmittel und das Darknet erweisen sich als praktisch, hilfreich und attraktiv für Angreifende. Unter dem Deckmantel der vermeintlichen Anonymität wähnen sie sich geschützt vor Strafverfolgung und abgeschirmt von Konsequenzen. Doch das ist ein verbreitetes Missverständnis: Weder Bitcoin noch Darknet sind in der Praxis anonym.

Während die Kryptowährung nie auf Anonymität ausgelegt war, sondern explizit auf Nachvollziehbarkeit von Transaktionen auch ohne zuverlässige zentrale Autorität, erweist sich das Darknet als nicht mal ansatzweise so anonym wie seine Macher es sich gewünscht hätten. Das zeigen auch Berichte wie die jüngsten über die „Deanonymisierungsangriffe“ von KAX17 auf das Tor-Netzwerk. Fast immer reicht der Strafverfolgung klassische Ermittlungsmethoden, um auch Ransomware-Agierende wie die REvil-Gruppe ausfindig zu machen. Die hatte laut Heise in mehr als 5.000 Infektionen eine halbe Million Euro an Lösegeldern eingetrieben.

Nie eine gute Idee: mit Kriminellen kooperieren

Egal, ob online oder offline, wer sich mit Erpressenden einlässt, ist verlassen. Als guter Rat gilt wie im richtigen Leben: niemals Lösegeld bezahlen. Ganz egal wie professionell die Hotline am anderen Ende auch scheint, Vertrauen ist nicht angebracht. Die Betreibenden von REvils Ransomware as a Service beispielsweise stahlen ihren Auftraggebenden sogar die erpressten Lösegelder über eine Backdoor in der Malware.

Dabei hatte alles so freundlich und idealistisch angefangen. Roger Dingledine und Nick Mathewson legten die Grundsteine für das Tor-Netzwerk Anfang der 2000er Jahre. Basierend auf der Idee der Zwiebelringe sollten zahlreiche kryptographisch gesicherte Schichten übereinander für zuverlässige Anonymität im Web sorgen – ihrer Meinung nach ein Grundrecht, analog zur Privacy-Definition von Eric Hughes „Cypherpunk’s Manifesto“. 2009 erblickte dann Bitcoin das Licht der Welt, erstmals beschrieben durch die fast schon mystische Figur des Satoshi Nakamoto.

Darknet und Bitcoin sind nicht „kriminell“

Weder Darknet noch Bitcoin wurden entworfen, um dunkle Machenschaften zu verschleiern oder zu ermöglichen. Ziel war das Schaffen freier, unabhängiger, vermeintlich unkontrollierbarer und weitgehend sicherer Strukturen für Informationsaustausch und Bezahlung. Wie ein Messer lassen sich die Dienste jedoch sowohl für Gutes als auch für Böses instrumentalisieren – und natürlich weiß die organisierte Kriminalität das für sich zu nutzen. Nicht immer liegt dabei der Schwerpunkt darauf, keine Spuren zu hinterlassen. Meist steht die Einfachheit und Verfügbarkeit der Mittel im Vordergrund. Bitcoin und das Darknet sind schlicht die Tools der Wahl, weil sie da sind.

Aber wie in der realen Welt schnappt man die Erpressenden am einfachsten bei der Geldübergabe: Eine Blockchain wie Bitcoin dokumentiert alle jemals getätigten Transaktionen inklusive der Wallet-Informationen (also den Bitcoin-Besitzenden) und macht sie jederzeit einsehbar. Gleiches gilt für das Darknet: Selbst, wenn technisch Anonymität möglich ist, scheitern Menschen regelmäßig an den einfachsten Anforderungen. Da finden sich dann GPS-Meta-Daten in Fotos oder UPS-Codes im illegalen Shop. Der legendäre Drogenshop Silkroad flog auf, weil Mitarbeitende Fehler machten und geständig waren.

Digitalisierte, organisierte Kriminalität

Das Darknet und die Kryptowährungen sind hilfreiche Werkzeuge für die organisierte Kriminalität und damit Brandbeschleuniger für die schnell wachsende Anzahl an gravierenden Ransomware-Attacken. Aber sie sind keineswegs essenziell, noch trifft sie eine Schuld. Derartige Cyber-Kriminalität ist nur die moderne IT-Variante dessen, was wir auch auf den Straßen beliebiger Großstädte erleben können. Ransomware ist sozusagen die moderne Schutzgelderpressung, Bitcoin der Abfalleimer für die Übergabe, das Darknet die dunkle Kneipe, in der Deals vereinbart werden.

Das Perfide steckt nicht in den Werkzeugen, sondern in den Methoden und der langen Erfahrung im „Business“. Trend Micro beschreibt beispielsweise den Ansatz der „Double Extortion Ransomware“. Dabei machen sich Angreifende erst ein Bild über die Daten und drohen, diese bei Nicht-Bezahlen (also bei Nicht-Entschlüsselung) zu veröffentlichen. Organisierte Kriminalität betreibt das Geschäft mit der Erpressung nicht erst seit es Bitcoin oder das Darknet gibt. Auch wenn die beiden Technologien es Cyber-Kriminellen heute ermöglichen, zunächst unerkannt große Geldsummen zu erpressen, reichen herkömmliche Methoden fast immer zur Aufklärung. Wichtigste Voraussetzung dabei ist, dass genug Personal für die Strafverfolgung zur Verfügung steht, nicht in erster Linie dessen technische Ausstattung.

Vorsorge treffen

Doch zu diesem Zeitpunkt ist das Kind im Unternehmen bereits in den Brunnen gefallen. Wer vor seinen verschlüsselten Daten steht und sich einer Lösegeldforderung gegenübersieht, dem sind das Darknet, Bitcoin und die Aufklärungsquote vermutlich erst mal zweitrangig. Viel wichtiger ist die Frage, wie man aus der misslichen Lage wieder herauskommt. Und das gelingt nur, wenn man vorbereitet war. Dazu gehören Backups, Restore-Tests und das sofortige Abtrennen aller betroffenen Maschinen (Network Split) – also proaktives Risikomanagement, Desaster Recovery Tests und stetige Pflege der eigenen Systeme. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Multi-Faktor-Authentifizierung, die verhindert, dass sich Angreifende allein durch erworbene Passwörter von einem System zum nächsten hangeln.

Am wichtigsten ist es jedoch, gar nicht erst in kritische Situationen zu gelangen und Schwachstellen in den eigenen Systemen zu erkennen und schnell zu schließen. Modernes Schwachstellenmanagement wie das von Greenbone leistet genau das: Es legt Angreifenden Steine in den Weg und macht das Firmennetzwerk unattraktiv, aufwändig und somit abschreckend für die professionellen Cyber-Kriminellen, nicht nur aus der Ransomware-as-a-Service-Welt.

Die Produkte von Greenbone überwachen das Unternehmensnetzwerk oder externe IT-Ressourcen auf potenzielle Schwachstellen, indem sie es fortlaufend und vollautomatisch untersuchen und garantieren als Greenbone Enterprise Appliances oder dem Greenbone Cloud Service (in deutschen Rechenzentren gehostete Software as a Service) Sicherheit durch stets aktuelle Scans und Tests.

Wie das funktioniert, beschreibt Elmar Geese, CIO/CMO bei Greenbone, ebenfalls hier im Blog anhand eines Posts rund um die log4j-Schwachstelle. Außerdem erklärt Geese, wie schnell und sicher die Administration und das Management auch bei den neuesten Schwachstellen informiert wird und wie genau der Scan nach Schwachstellen wie Log4Shell abläuft.


Log4j war von einer Schwachstelle betroffen, die Remote-Code-Execution-Angriffe (RCE-Angriffe) ermöglichte. Kurz gesagt, konnten Benutzereingaben in eine Software zu einer Codeausführung auf einem entfernten Server führen. Dies stellt ein schwerwiegendes Sicherheitsrisiko dar. Die Schwachstelle wurde „Log4Shell“ (CVE-2021-44228) genannt und sofort vom Log4j-Team behoben. In den folgenden Tagen wurden weitere Log4j-Schwachstellen gefunden. Diese haben zwar nicht die gleichen Auswirkungen wie die erste, können aber ebenfalls schwere Schäden verursachen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, die Systeme zu überprüfen und immer auf die neuesten Versionen zu aktualisieren.

Da Log4j in zahlreichen Softwareprodukten enthalten ist, mussten und müssen auch die Hersteller der Produkte Updates bereitstellen. Dies ist noch nicht abgeschlossen und es könnten in Zukunft weitere Log4j-Schwachstellen auftauchen.

Als ein bewegliches Ziel bekommt Log4j immer noch viel Aufmerksamkeit, unter verschiedenen Aspekten:

  • Neue (und glücklicherweise weniger schwerwiegende) Sicherheitslücken werden gefunden.
  • Es entstehen neue Initiativen zur proaktiven Überprüfung von Log4-Quellen, wie zum Beispiel die Initiative von Google: Improving OSS-Fuzz and Jazzer to catch Log4Shell
  • Bei Greenbone erstellen wir noch mehr Schwachstellentests, um eine bessere Testabdeckung zu erreichen, und stellen sie täglich für unsere Produkte bereit.

Wir haben bereits eine ziemlich gute CVE-Abdeckung für die zusätzlichen Log4j-Schwachstellen, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurden, erzielt, einschließlich:

  • CVE-2021-44228
  • CVE-2021-4104
  • CVE-2021-45046
  • CVE-2021-45105

Wie bereits erwähnt, hören wir hier nicht auf. Weitere lokale Sicherheitsprüfungen werden heute und morgen folgen, sobald die Linux-Distributionen ihre Advisories veröffentlicht haben.

Wir haben bereits einige Fakten über Log4j und den Umgang damit in unseren letzten Beiträgen veröffentlicht:


Das Schwachstellenmanagement von Greenbone findet Anwendungen mit Log4j-Schwachstellen in Systemen, die auf jeden Fall gepatcht oder anderweitig geschützt werden müssen. Je nach Art der Systeme und Schwachstelle können diese besser oder schlechter gefunden werden. Auch die Erkennung verbessert sich ständig und wird fortlaufend aktualisiert. Neue Lücken werden gefunden. Es können daher immer noch weitere Systeme mit Log4shell-Schwachstellen im Netz vorhanden sein. Daher lohnt sich eine regelmäßige Aktualisierung und Scannen aller Systeme. Hierfür bietet das Greenbone-Schwachstellenmanagement entsprechende Automatisierungsfunktionen. Wie aber werden Schwachstellen gefunden, und wo können sie sich verbergen? Warum sind Schwachstellen nicht immer direkt auffindbar? Im folgenden Artikel erhalten Sie eine kurze Einsicht, wie das Scanning bei Schwachstellen wie Log4Shell funktioniert.

Ein Schwachstellenscanner stellt gezielt Anfragen an Systeme und Dienste und kann aus den Antworten ablesen, welcher Art die Systeme und Dienste sind, aber auch welche Produkte dahinter stehen. Das schließt auch Informationen wie deren Versionen oder auch Einstellungen und weitere Eigenschaften ein. Damit lässt sich in vielen Fällen ablesen, ob eine Anfälligkeit für eine bestimmte Schwachstelle vorliegt und auch, ob diese schon beseitigt wurde. In der Praxis sind das teilweise hochkomplizierte und verschachtelte Anfragen, vor allem aber auch sehr, sehr viele. Es werden ganze Netzwerke nach Tausenden von verschiedenen Schwachstellen durchforstet.

Bei der Log4j-Schwachstelle „Log4Shell“ (CVE-2021-44228) handelt es sich um eine fehlerhafte Programm-Bibliothek, die in vielen Produkten für Web-Dienste verwendet wird. Teilweise ist sie daher durch einen Schwachstellenscan direkt sichtbar, teilweise ist sie aber auch hinter anderen Elementen versteckt. Deshalb gibt es auch nicht nur einen Schwachstellentest für Log4j, sondern zahlreiche. Es kommen ständig weitere hinzu, weil die Hersteller der jeweiligen Produkte entsprechende Informationen teilen und auch Updates zur Verfügung stellen, um die Lücken zu schließen. Die Liste der von Log4Shell betroffenen Systeme wird unter https://gist.github.com/SwitHak/b66db3a06c2955a9cb71a8718970c592 ständig aktualisiert.

Einige der Schwachstellentests erfordern einen authentifizierten Scan. Das bedeutet, dass sich der Scanner zunächst auf einem System anmelden muss, um im System dann die Verwundbarkeit festzustellen. Ein authentifizierter Scan kann mehr Details über Schwachstellen auf dem gescannten System bereitstellen.

Die Schwachstellentests, die geeignet sind die Log4j-Schwachstelle zu finden, werden gesammelt in einer Scan-Konfiguration bereitgestellt. Greenbone hält diese „Log4j“-Scan-Konfiguration kontinuierlich aktuell, um immer wieder neue Tests hinzuzufügen. Dadurch kann ein Scanvorgang morgen eine Log4j-Schwachstelle melden, die heute noch nicht gefunden wurde. Es ist daher ratsam, den Log4j-Scan so zu konfigurieren, dass er automatisch regelmäßig ausgeführt wird. Besonders wichtig ist dies in den nächsten Wochen, in denen viele Softwarehersteller weitere Erkenntnisse zusammentragen. Greenbone integriert diese Erkenntnisse laufend in die Tests und in die Scan-Konfiguration.

Scanning bei Schwachstellen wie Log4Shell

Muss eine Schwachstelle ausgenutzt werden, um sie zu finden?

Eine Schwachstelle auzunutzen, um sie zu finden, ist nicht ratsam. Und zum Glück auch nicht erforderlich. Dabei könnten genau die Schäden entstehen, die unbedingt vermieden werden sollen. Ein Produktanbieter, der das Ausnutzen der Schwachstellen als Funktion bereitstellt, würde zudem möglicherweise den Missbrauch dieser Funktion stark befördern, was weitere – nicht nur rechtliche – Probleme aufwirft. Daher beinhaltet das Schwachstellenmanagement von Greenbone solche Funktionen nicht.

Eine Ausnutzung der Log4j-Schwachstelle wie es Angreifende tun würden, ist auch nicht erforderlich, um das Vorhandensein der Schwachstelle nachzuweisen. Greenbone hat verschiedene Tests zum Nachweis für Log4Shell entwickelt, die jeweils unterschiedlich tief in die Systeme schauen. Mehrere Tests können die Log4j-Schwachstelle mit 100%iger Gewissheit nachweisen, die meisten mit einer Sicherheit von 80 % bis 97 %. Einige Tests sammeln außerdem Indikatoren von 30 %, wo sie nicht nahe genug an die Schwachstelle herankommen. Jeder Test bei Greenbone macht eine Aussage zu der Nachweissicherheit, welche als „Qualität der Erkennung“ angegeben wird.

Welche Rolle spielen die Hersteller von Softwareprodukten?

Hersteller verschiedenster Produkte können Log4j-Bibliotheken verwenden, die damit nun verwundbar sind. Die Produkthersteller haben Log4j auf unterschiedliche Weise eingebunden. In der Regel kann durch einen tiefen Scan Log4j auch ohne Mithilfe des Hersteller gefunden werden. Die meisten Hersteller unterstützen den Vorgang aber auch durch öffentliche Schwachstellenmeldungen. Diese können dann genutzt werden, um Schwachstellentests zu schreiben, die auch mit weniger tiefen Scans eine verlässliche Aussage zur Verwundbarkeit machen können. Der Grund dafür ist, dass die Scans durch Herstellerinformationen einfachere Konfigurationen verwenden können. Hinzu kommt, dass sie auch schneller laufen.

Grundsätzlich kann jedoch ein Schwachstellenscanner auch prüfen und Schwachstellen finden, ohne dass der Hersteller eine Schwachstellenmeldung veröffentlicht.

Fazit

Schwachstellenmanagement ist ein unverzichtbarer Bestandteil der IT-Sicherheit. Es kann Risiken finden und liefert wertvolle Hinweise zu deren Behebung. Eine 100%ige Sicherheit bietet jedoch keine einzelne Maßnahme, auch kein Schwachstellenmanagement. Um ein System sicher zu machen, werden viele Systeme eingesetzt, die in ihrer Gesamtheit die bestmögliche Sicherheit bieten sollen.

Das ist vergleichbar zu einem Fahrzeug, das durch Fahrgastzelle, Gurte, Airbags, Bremsunterstützung, Assistenzsysteme und vieles mehr die Sicherheit erhöht, aber nie garantieren kann. Schwachstellenmanagement macht Risiken beherrschbar.

Update vom 20.12.2021: Informationen über weitere Schwachstellen, die für Log4j gefunden wurden, finden Sie hier.


Update vom 20.12.2021: Es sind nun auch Schwachstellentests für Produkte unter Microsoft Windows verfügbar.

Hinweis: Die Tests prüfen die Existenz von Log4j und dessen Version. Ein separater Schwachstellentest ist möglicherweise nicht für jede betroffene Anwendung verfügbar, aber alle Log4j-Dateien werden gefunden und gemeldet (/pfad-zur-log4j-datei/).

Die ausgegebenen Installationspfade müssen geprüft und ggf. der Hersteller kontaktiert werden. Es muss geprüft werden, ob für die jeweilige Anwendung bereits Updates verfügbar sind und ob der Fund relevant ist.

PowerShell-Ausführungsberechtigungen auf einem Zielsystem sind für den Account erforderlich, der in einem authentifizierten Scan verwendet wird. Einige Schwachstellentests führen PowerShell-Befehle aus, um die Genauigkeit der Ergebnisse zu erhöhen, wofür Berechtigungen für die Dauer eines Scans erforderlich sind.


Update vom 15.12.2021: ein zusätzlicher Angriffsvektor wurde identifiziert und in CVE-2021-45046 gemeldet. Wir arbeiten an Schwachstellentests für diesen Vektor, obwohl unsere Tests auch für diesen zusätzlichen Fall funktionieren. Wir empfehlen, auf die neueste Log4j-Version zu aktualisieren. Der Angriff ist komplizierter und ein Schutz erfordert eine andere Konfiguration. Da es sich aber um einen sehr neuen Vektor handelt, raten wir, besser auf Nummer sicher zu gehen. Mehr Informationen unter https://www.lunasec.io/docs/blog/log4j-zero-day-update-on-cve-2021-45046/.


Dieser Artikel enthält Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zu Greenbones Log4j-Schwachstellentests.

Worum handelt es sich bei der Log4j-Schwachstelle?

Die „Log4Shell“-Schwachstelle betrifft eine Softwarebibliothek, die für die Aufzeichnung von Ereignissen (das so genannte „Logging“) in Software zuständig ist, die in der Programmiersprache Java geschrieben wurde. Böswillige Angreifende können diese Sicherheitslücke nutzen, um Code auf den betroffenen Systemen auszuführen.

Da diese Schwachstelle über das Internet und ohne jegliche Authentifizierung ausgenutzt werden kann, kann dies für betroffene Systeme und Unternehmen sehr kritisch sein. Da die Software auch in einer Vielzahl von Software und Diensten enthalten ist, die über das Internet zugänglich sind, sind wahrscheinlich viele Unternehmen und Dienste betroffen.

Weitere Informationen zu dieser Sicherheitslücke finden Sie hier:

Sind Greenbone-Produkte und -Dienste betroffen?

Wir haben den Status der möglicherweise betroffenen Systeme mit höchster Priorität überprüft. Keine unserer Produkte oder intern und extern erbrachten Dienstleistungen sind betroffen.

Können Greenbone-Produkte diese Schwachstelle erkennen?

Ja, Schwachstellentests wurden in den Greenbone Community Feed und in den Greenbone Enterprise Feed integriert, beginnend mit Feed-Version 202112130808. Dies bedeutet, dass sowohl unsere Appliances als auch unser Cloud-Produkt in der Lage sind, diese Sicherheitslücke zu erkennen.

Es sind zwar Schwachstellentests verfügbar, aber aufgrund der Komplexität dieser Sicherheitslücke kann nicht garantiert werden, dass eine Erkennung jedes einzelne betroffene System oder Produkt findet. Dies gilt insbesondere für nicht-authentifizierte „Remote“-Überprüfungen, und zwar aus den folgenden Gründen:

  • Das Produkt oder der Dienst könnte nur unter ganz bestimmten Umständen verwundbar sein. Da die Log4j-Bibliothek sehr komplex und hochgradig konfigurierbar ist und in vielen Produkten unterschiedlich eingesetzt wird, ist es nicht möglich, alle verwundbaren Instanzen durch eine Remote-Prüfung zu finden.
  • Sicherheitskonfigurationen im zu scannenden Netzwerk können eine erfolgreiche Überprüfung der Schwachstelle verhindern.
  • Produkte und Dienste können auch indirekt betroffen sein.

Eine spezielle Scan-Konfiguration zur direkten und schnellstmöglichen Erkennung dieser Sicherheitslücke ist ebenfalls über beide Feeds verfügbar. Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Scan-Konfiguration nur aktive Prüfungen (remote und lokal) enthält. Paketversionsprüfungen sind nicht enthalten, um die Scan-Konfiguration und damit die Scanzeit minimal zu halten.

Ist die Erkennung im Greenbone Community Feed enthalten?

Ja. In beiden Feeds ist eine grundlegende Erkennung der Sicherheitslücke enthalten. Zusätzliche Schwachstellentests für potenziell betroffene Unternehmensprodukte sind über den Greenbone Enterprise Feed verfügbar.

Welche Erkennung ist in welchem Feed enthalten?

Greenbone Enterprise Feed

Wir implementieren fortlaufend Schwachstellentests in den Greenbone Enterprise Feed, daher kann die folgende Liste unvollständig sein, gibt aber den Stand vom 14.12.2021, 12:00 Uhr wieder.

Wichtig: Um die aktuellsten Informationen zu Ihrer Installation zu erhalten, können Sie nach  ~CVE-2021-44228 im Abschnitt „CVE“ und „NVTs“ des Menüs „SecInfo“ auf der Web-Oberfläche Ihrer Installation suchen.

  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Apache Log4j Detection (Linux/Unix SSH Login)
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (HTTP, Log4Shell) – Active Check
  • Apache Struts 2.5.x Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Apache Druid < 0.22.1 Multiple Vulnerabilities (Log4Shell)
  • Apache Flink < 1.13.4, 1.14.x < 1.14.1 Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (TCP, Log4Shell) – Active Check
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (UDP, Log4Shell) – Active Check
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (SIP, Log4Shell) – Active Check
  • Apache Solr 7.x, 8.x Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell) – Version Check
  • Debian: Security Advisory for apache-log4j2 (DSA-5020-1)
  • Debian LTS: Security Advisory for apache-log4j2 (DLA-2842-1)
  • Elastic Logstash Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Openfire < 4.6.5 Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • VMware vCenter Server 6.5, 6.7, 7.0 Log4j RCE Vulnerability (VMSA-2021-0028, Log4Shell) – Version Check
  • VMware Workspace ONE Access Log4j RCE Vulnerability (VMSA-2021-0028, Log4Shell)
  • VMware vRealize Operations Log4j RCE Vulnerability (VMSA-2021-0028, Log4Shell)
  • VMware vRealize Log Insight Log4j RCE Vulnerability (VMSA-2021-0028, Log4Shell)
  • VMware vRealize Automation Log4j RCE Vulnerability (VMSA-2021-0028, Log4Shell)
  • VMware vRealize Orchestrator Log4j RCE Vulnerability (VMSA-2021-0028, Log4Shell)
  • VMware vCenter Server 6.5, 6.7, 7.0 Log4j RCE Vulnerability (VMSA-2021-0028, Log4Shell) – Active Check
  • ArcGIS Server <= 10.7.1 Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Metabase < 0.41.4 Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Splunk 8.1.x, 8.2.x Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Wowza Streaming Engine <= 4.8.16 Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • SonicWall Email Security 10.x Log4j RCE Vulnerability (SNWLID-2021-0032, Log4Shell)
  • IBM WebSphere Application Server Log4j RCE Vulnerability (6525706, Log4Shell)
Greenbone Community Feed

Wir implementieren fortlaufend Schwachstellentests in den Greenbone Community Feed, daher kann die folgende Liste unvollständig sein, gibt aber den Stand vom 14.12.2021, 12:00 Uhr wieder.

Wichtig: Um die aktuellsten Informationen zu Ihrer Installation zu erhalten, können Sie nach  ~CVE-2021-44228 im Abschnitt „CVE“ und „NVTs“ des Menüs „SecInfo“ auf der Web-Oberfläche Ihrer Installation suchen.

  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Consolidation of Apache Log4j detections
  • Apache Log4j Detection (Linux/Unix SSH Login)
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (HTTP, Log4Shell) – Active Check
  • Debian: Security Advisory for apache-log4j2 (DSA-5020-1)
  • Elastic Logstash Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Debian LTS: Security Advisory for apache-log4j2 (DLA-2842-1)
  • Openfire < 4.6.5 Log4j RCE Vulnerability (Log4Shell)
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (TCP, Log4Shell) – Active Check
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (UDP, Log4Shell) – Active Check
  • Apache Log4j 2.0.x < 2.15.0 RCE Vulnerability (SIP, Log4Shell) – Active Check

Über authentifizierte/unauthentifizierte Tests

Für einige Versionsprüfungen ist eine Authentifizierung erforderlich, für andere nicht. Außerdem können einige beides haben.

Die entsprechenden Informationen sind über die Links verfügbar, die bei der Suche nach ~CVE-2021-44228 im Abschnitt „CVE“ und „NVTs“ des Menüs „SecInfo“ auf der Web-Oberfläche Ihrer Installation angezeigt werden.

Die „Qualität der Erkennung“ enthält Informationen über die Erkennungsmethode. Ein Wert von „package (97 %)“ deutet auf eine authentifizierte Prüfung hin, andere Werte wie „remote_banner (80 %)“ geschehen unauthentifiziert.

Weitere technische Informationen hierzu finden Sie unter https://docs.greenbone.net/GSM-Manual/gos-21.04/de/reports.html#quality-of-detection-concept.

Über aktive Tests/Testprüfungsversion, QoD

Sie können anhand des QoD und der „Erkennungsmethode“ auf der Web-Oberfläche erkennen, ob es sich um eine aktive Prüfung handelt, wenn Sie sich die Details des Schwachstellentests anzeigen lassen.

Hinweis: Nur Systeme, die tatsächlich Eingaben protokollieren, die von Angreifenden verändert werden können (z. B. bestimmte HTTP-Anfrage-Header, URLs, …), sind verwundbar.

Die Erkennungsmethode, die Qualität der Erkennung, die Schadensminderung und viele weitere Details sind über die Links verfügbar, die bei der Suche nach ~CVE-2021-44228 im Abschnitt „CVE“ und „NVTs“ des Menüs „SecInfo“ auf der Web-Oberfläche Ihrer Installation angezeigt werden.

Scannen nach Knoten auf separaten VRFs & VLANs

  • Out-of-band-Scanning (OOB) ist derzeit nicht möglich. Bitte scannen Sie in jedem Segment.
  • Wir denken, dass eine solche Out-of-band-Kommunikation (OOB)/externe Interaktionsmöglichkeit in Zukunft integriert werden kann.


Update vom 20.12.2021: Informationen über weitere Schwachstellen, die für Log4j gefunden wurden, finden Sie hier.


Update vom 15.12.2021: Die wichtigstens FAQ zur Erkennung der Log4j-Schwachstelle mit Greenbone finden Sie hier.


Eine kritische Sicherheitslücke (Log4Shell, CVE-2021-44228) in der weit verbreiteten Java-Bibliothek Log4j wurde entdeckt. Greenbone hat lokale Sicherheitstests und aktive Prüfungen über HTTP in seine Feeds integriert, die bei der Erkennung der Log4j-Schwachstelle helfen und herausfinden, ob und welche Systeme betroffen sein könnten. Zusätzlich ist eine spezielle Scan-Konfiguration, die genau auf diese Schwachstelle prüft, für schnelle Ergebnisse über die Feeds verfügbar.

log4j-Schwachstelle

Die Sicherheitslücke führt laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einer äußerst kritischen Bedrohungslage. Aus diesem Grund hat das BSI eine Warnung der höchsten Stufe zu diesem Thema veröffentlicht. Die Sicherheitslücke ist trivial ausnutzbar und kann eine vollständige Übernahme der betroffenen Systeme ermöglichen.

Es handelt sich um ein kritisches Risiko, da Angreifende über verschiedene Wege Codeschnipsel in das Log4j-Modul einschleusen können (z. B. über eine reguläre Chat-Nachricht) und dann Code zur Ausführung von einem beliebigen LDAP-Server laden können.

Personen, die Log4j einsetzen, wird dringend empfohlen, ihre Lösungen auf Log4j-Version 2.15.0 (oder höher) zu aktualisieren, um diese Schwachstelle zu entschärfen. Folgendes sollte aber beachtet werden:

  • Das Update schränkt derzeit standardmäßig „nur“ den Zugriff auf externe LDAP-Server ein (erlaubt nur localhost/127.0.0.1) und setzt die Systemeigenschaft log4j2.formatMsgNoLookups auf true.
  • Obwohl dies das Risiko mindert, kann es immer noch Anwendungen geben, die mit Log4j-Version 2.15.0 arbeiten und bei denen beide (oder eine) der oben genannten Einstellungen nicht korrekt oder falsch konfiguriert sind, sodass der Angriffsvektor weiterhin besteht.

In Bezug auf unsere Lösung sollte auch Folgendes beachtet werden:

  • Für eine erfolgreiche Erkennung dieses Risikos muss der Scanner-Host für den Zielhost über TCP erreichbar sein.
  • Es kann auch eine Schwachstelle in einer Software bestehen, die z. B. nur die Syslogs von anderen Remote-Systemen sammelt und protokolliert, aber selbst keine Protokolle annimmt. Solche Systeme könnten immer noch durch Log Pollution angegriffen werden.
  • Es ist sehr wichtig, die Updates der betroffenen Produkte zu überwachen.
  • Außerdem sollten alle Systeme, die anfällig waren, auf Kompromittierung untersucht werden.


Der zweite Teil unserer Serie über die fortschreitende Professionalisierung der Angriffe auf IT-Systeme beschäftigt sich mit Veränderungen im Mindset der Angreifenden. Automatisierung, Kommerzialisierung und Cloudcomputing haben Ihre Spuren auch im typischen Profil von Cyber-Kriminellen hinterlassen, mit denen sich Admins und das Schwachstellenmanagement auseinandersetzen müssen. Entgegen gängiger Hollywoodklischees geht die Bedrohung durch Ransomware as a Service in der Regel nicht (mehr) von hochbegabten Script-Kiddies mit viel Zeit oder von anarchistischen Weltverbesserern im Hoodie aus. Auch nicht von hochqualifizierten und mit schier endlosen Ressourcen ausgestatteten Geheimdiensten.

Angriffe sind heute Auftragsarbeiten

Die gefährlichsten Angriffe heute arbeiten zunehmend „im Auftrag“, verfolgen also ein Geschäftsmodell und müssen sich dabei auch an Werten wie Effizienz oder Erfolgswahrscheinlichkeit orientieren. Genauso wie das Cloud-Computing fester Bestandteil der IT der meisten Unternehmen geworden ist, dient es mittlerweile auch Cyber-Kriminellen dazu, Angriffe zu automatisieren, zu organisieren und zu beschleunigen. Mit großem Erfolg: Ransomware ist zur größten Bedrohung erwachsen und bei Ransomware as a Service lassen sich Angriffe ganz einfach buchen.

Mehr und mehr Sicherheitsfachleute entwickeln gerade erst ein Verständnis für die Geschäftsmodelle der Angreifenden: Deren Logik unterscheidet sich kaum mehr von der anderer Unternehmen. Sie investieren die gleichen Ressourcen in die Entwicklung von Exploits und Tools und wollen den höchstmöglichen Return on Investment (ROI) erzielen. Deswegen achten sie häufig stark darauf, dass sich ihre Werkzeuge wiederverwenden lassen.

Angesichts begrenzter Ressourcen entwickeln Cyber-Kriminelle Exploits für weit verbreitete Technologien, die ein hohes Gewinnpotenzial für mehrere Ziele bieten.

Die Perspektive der Cyber-Kriminellen

Die Angreifenden haben sich organisiert, bestellt wird im Darknet, bezahlt via Bitcoin. Gewinnmaximiert, effizienzorientiert und professionell strukturiert: Die neue, wirtschaftlich orientierte Logik kann und muss aber auch ein Schlüssel zu besseren Abwehrmechanismen sein. Gerade wenn Security-Verantwortliche sich unter einer Lawine von Sicherheitswarnungen begraben sehen, ist es hilfreich, zu verstehen, wie Cyber-Kriminelle „ticken“.

Um die eigenen Systeme abzusichern, muss die Verteidigung jetzt umdenken und über den eigenen Tellerrand blicken. Die Logik der Cyber-Kriminellen hilft, die entscheidenden Signale zu entschlüsseln und Lücken zu schließen. David Wolpoff, CTO von Randori, hat in einem Blogbeitrag auf Threatpost sechs zentrale Fragen formuliert, die das Mindset der modernen Cyber-Kriminellen gut beschreiben:

  1. Welche nützlichen Informationen über ein Ziel lassen sich von außen erkennen?
  2. Wie wertvoll ist das Ziel für die Angreifenden?
  3. Ist das Ziel als leicht zu hacken bekannt?
  4. Welches Potenzial bieten Ziel und Umgebung?
  5. Wie lange wird es dauern, einen Exploit zu entwickeln?
  6. Gibt es einen wiederholbaren ROI für einen Exploit?

Je mehr Wissen Cyber-Kriminelle über eine Technologie oder eine Person in einem Unternehmen sammeln können, desto besser können sie die nächste Angriffsphase planen. Im ersten Schritt stellen sie so die Frage, wie detailliert sich das Ziel von außen beschreiben lässt. Je nach Konfiguration kann ein Webserver beispielsweise keine Serverkennung oder Servernamen und detaillierte Versionssnummern verraten. Ist die genaue Version eines verwendeten Dienstes und seine Konfiguration sichtbar, lassen sich präzise Exploits und Angriffe ausführen. Das maximiert die Erfolgschancen und minimiert zeitgleich die Entdeckungswahrscheinlichkeit und die Aufwände.

Nicht mehr wahllos

Das zunehmend wichtigere wirtschaftliche Interesse sorgt dafür, dass Cyber-Kriminelle Faktoren wie Aufwand, Zeit, Geld und Risiko stärker berücksichtigen müssen. Dementsprechend lohnt es sich nicht, wahllos Systeme anzugreifen oder auszuspähen. Angreifende klären heutzutage zuerst den potentiellen Wert, bevor sie handeln und konzentrieren sich auf vielversprechende Ziele wie VPNs und Firewalls, Anmeldedatenspeicher, Authentifizierungssysteme oder Remote-Support-Lösungen am Netzwerkrand. Die könnten sich als Generalschlüssel entpuppen und den Weg ins Netzwerk oder zu Anmeldeinformationen aufsperren.

Immer wieder tauchen Meldungen über kritische und brandgefährliche Schwachstellen auf, die offenbar niemand für Angriffe ausgenutzt hatte. Es klingt unglaublich, aber oft hat sich einfach niemand die Arbeit gemacht, für eine Schwachstelle einen Exploit zu programmieren. Moderne Cyber-Kriminelle folgen immer mehr dem Prinzip des Return on Investment und bedienen sich existierender Proof of Concepts (PoC).

Komplexität ist unerwünscht

So ergeben sich manchmal überraschende Erkenntnisse: Moderne Cyber-Kriminelle meiden wohldokumentierte Schwachstellen. Umfangreiche Untersuchungen und Analysen zu einer bestimmten Sicherheitslücke sind eher ein Indikator für unerwünschte Komplexität und Aufwand, den man möglichst gering halten möchte. RaaS-Hacker:innen fahnden nach verfügbaren Tools oder kaufen für ein bestimmtes Objekt bereits erstellte Exploits. Angreifende wollen sich unbemerkt in den von ihnen kompromittierten Systemen bewegen. Sie suchen sich also Ziele mit wenigen Abwehrmechanismen aus, wo Malware und Pivoting-Tools funktionieren, etwa Desktop-Telefone und VPN-Apps sowie andere ungeschützte Hardware. Viele Anwendungen dort sind mit oder für Linux erstellt, besitzen einen vollständigen Nutzungsbereich und verfügen über vertrauenswürdige, vorinstallierte Tools. Das verspricht, sie nach einem Exploit weiterhin nutzen zu können und macht sie umso attraktiver für Cyber-Kriminelle.

Überraschende Kosten-Nutzen-Rechnung

Ist das Ziel erst einmal anvisiert, gilt es für Angreifende Zeit, Kosten und Wiederverwendbarkeit einzuschätzen. Schwachstellenforschung (Vulnerabilty Research) geht hierbei auch über das bloße Aufdecken ungepatchter Geräte hinaus. Cyber-Kriminelle müssen beurteilen, ob die Kosten für die Recherche und Entwicklung der daraus resultierenden Tools im Verhältnis zum Gewinn nach einer Attacke stehen. Gut dokumentierte Software oder Open-Source-Tools, die leicht zu beschaffen und zu testen sind, bedeuten ein vergleichsweise leichtes Ziel.

Ebenfalls überraschend: Insgesamt spielt laut Wolpoff der Schweregrad einer Sicherheitslücke für Cyber-Kriminelle nicht die zentrale Rolle. Einen Angriff zu planen ist weit komplexer und erfordert wirtschaftliches Denken. Die Erkenntnis, dass auch die Gegenseite Kompromisse eingehen muss, hilft der Verteidigung von Cloud-Umgebungen, diese sinnvoll abzusichern. Alles, überall und jederzeit vor allen Angreifenden zu schützen ist illusorisch. Mehr wie sie zu denken, erleichtert aber die Priorisierung.

Im dritten Teil dieser Artikelserie dreht sich alles um die Frage, ob das Ransomware-as-a-Service-Modell auch ohne Bitcoin und Darknet möglich wäre und ob die beiden Technologien eigentlich in dem Kontext halten, was die Angreifenden versprechen.

Dieser Artikel ist der erste von drei Blogposts über die veränderte Bedrohungslage in professionellen Umgebungen. „Ransomware as a Service“ hat mächtige Auswirkungen auf Unternehmen, die aber keineswegs schutzlos dastehen. Auch modernes Schwachstellenmanagement, welches die Produkte von Greenbone ermöglichen, spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Zahlen 2020 – Anstieg, Umsatz, Kosten

Sie heißen DarkSide, REvil, Dharma, Egregor, Maze, LockBit oder Thanos. Selbst Emotet feiert gerade ein unerfreuliches Comeback: weltweit steigen die Ransomware-Angriffe, scheinbar ungebremst. Dabei nimmt auch ihre Intensität massiv zu: REvil und DarkSide legten die Bank of Scotland und eine wichtige Pipeline an der US-Ostküste lahm. In Deutschland leiden Behörden, Krankenhäuser und ganze Landkreise unter den Ransomware-Angriffen.

Ransomware ist Schadsoftware, die ein System verschlüsselt und den Zugriff auf die Daten nur dann wieder frei gibt, wenn das Opfer ein Lösegeld zahlt. Daher auch der Begriff „Ransom“, englisch für Lösegeld. Häufige Verbreitungswege für Ransomware sind Spam-Mails, Phishing und Drive-by-Exploits. Letztere nutzen Schwachstellen in Browsern, Browser-Plugins, Betriebssystemen und Netzwerkdiensten aus.

Fast alle erfolgreichen Angriffe auf IT-Infrastrukturen in den letzten Jahren gehen auf diesen Typen zurück, der so anders „tickt“ als die Cyber-Kriminellen der vergangenen Jahrzehnte. Das Bedrohungsszenario hat sich geändert, Ransomware wird heute von professionellen Infrastrukturen erstellt und betrieben, diese arbeiten gewinnorientiert und mindestens ebenso effizient wie die Unternehmen und Organisationen, die ihnen als Angriffsziele dienen. Angesichts der neuen Bedrohung müssen diese umdenken, wenn es um den Schutz ihrer Infrastrukturen geht.

Ein wichtiger Grund für den großen Erfolg von Ransomware ist Herstellern zufolge die zunehmende Verbreitung von Cloud-Infrastrukturen. Einerseits benutzen Angreifende selbst Cloud-Dienste, andererseits profitieren sie von der größeren Angriffsfläche, die Unternehmen erst recht in Zeiten von Homeoffice bieten. Ein anderer Grund ist auf fehlende Updates oder falsche Konfigurationen in der Unternehms-IT zurückzuführen. Beide Ursachen erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit für Angreifende. Die Ressourcen sind jedoch sehr ungleich verteilt: In den letzten Jahren etablierte sich eine weltweit und höchstprofessionell arbeitende Industrie, die Cloud-Dienste für Cyber-Kriminelle anbietet – „Ransomware as a Service“ (RaaS).

Von „Software as a Service“ zu „Ransomware as a Service“

Das Konzept von „Software as a Service“ (SaaS), also IT-Dienste aus der Cloud ohne Software zu erwerben und diese nur nach Nutzung abzurechnen, hat sich seit mehreren Jahrzehnten bewährt. Bekannte SaaS-Anbieter sind Slack, Salesforce und WordPress. Auch große Software-Firmen wie Microsoft mit Microsoft 365 und Adobe mit der Adobe Creative Cloud bieten mittlerweile SaaS-Versionen Ihrer Produkte an. Auch Greenbones Cloud-Service funktioniert nach diesem Modell. Die Vorteile des Services liegen in der Skalierbarkeit, der Flexibilität, der hohen IT-Sicherheit und den strengen Regeln des europäischen Datenschutzes, insbesondere wenn das Hosting in deutschen Rechenzentren erfolgt, wie auch beim Greenbone Cloud Service.

Spätestens 2020 erreichte der Trend auch das Darknet und den Markt der Ransomware-Hacker:innen. Mit dem SaaS-Geschäftsmodell im Hintergrund infiltrieren Angreifende lokale Netze, verschlüsseln Daten und verlangen Lösegeld vom Opfer. RaaS nutzt nun das SaaS-Modell, um Malware effizienter und kostengünstiger unter die Leute zu bringen und Gelder zu erpressen.

Über 60 % aller bekannten Ransomware-Angriffe gingen 2020 bereits auf das Konto von RaaS-Modellen, einem hart umkämpften, aber wachsenden Markt. 15 neue RaaS-Anbieter sollen 2020 hinzugekommen sein. Das Geschäftsmodell ist klar: Die Kundschaft, also potenzielle Hacker:innen oder Angreifende, brauchen keinerlei technische Fähigkeiten mehr, es gibt Rabattaktionen und professionelle Services. All das macht RaaS für Cyber-Kriminelle zunehmend attraktiv und funktioniert offensichtlich, weil ihnen zahllose unzureichend geschützte Infrastrukturen offenstehen.

Die Anzahl der gesamten Ransomware-Angriffe stieg 2020 um fast 500 Prozent. Zwei Drittel davon gehen auf das Konto von RaaS-Angeboten, Tendenz auch 2021 steigend [1]. Mit Ransomware machten Angreifende im Jahr 2020 geschätzt 20 Milliarden US-Dollar Umsatz, nach gut 11 Milliarden in 2019 [2]. RaaS-Angebote gibt es für Hacker:innen ab 40 $/Monat. Wer mehr Service will, kann auch Tausende Dollar investieren [3].

Die durchschnittlichen Kosten für betroffene Firmen für das Aufräumen nach einem Ransomware-Angriff haben sich im Laufe des Jahres 2020 verdoppelt  und betragen in der Regel das Zehnfache der geforderten Lösegelder. Diese wiederum lagen im Jahr 2020 durchschnittlich zwischen 200.000 und 300.000 Dollar [4]. Ob Konzern oder kleines Unternehmen, meist sind die Forderungen gleich hoch, denn nicht jeder Angriff muss erfolgreich sein. Wie auch bei Spam ist die Masse entscheidend.

„Ransomware as a Service“ als Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell von „Ransomware as a Service“ erklären Websites wie die von AppKnox umfassend und anschaulich: RaaS-Organisationen vermieten Software und IT-Infrastrukturen, die von und bei einem externen IT-Dienstleistungsunternehmen betrieben werden. Cyber-Kriminelle mieten sie als Dienstleistung, um Unternehmen oder Privatpersonen anzugreifen und zu erpressen. RaaS-Entwickelnde und -Anbietende sind juristisch auf der sicheren Seite, sie stellen ja „nur“ die Infrastruktur bereit und sind so nicht für den Angriff verantwortlich. Heute kann jeder RaaS-Angriffe buchen, starten und Unternehmen, Behörden oder Privatpersonen erheblichen Schaden zufügen.

Dahinter stecken vier gängige RaaS-Geschäftsmodelle:

  • Monatliche Zahlung (Abo-Modell)
  • Partnerprogramme, zusätzlich zum Abo-Modell gibt es Gewinnbeteiligungen
  • Einmalige Lizenzgebühr
  • Ausschließlich Gewinnbeteiligung

Egal für welches Modell sich Anwendende entscheiden, einige RaaS-Firmen machen es Ihnen sehr einfach: ab ins Darknet, einloggen, Konto anlegen, Modell wählen, ggf. mit Bitcoin zahlen, Schadsoftware verteilen und warten, bis der Erfolg eintritt.

Für das investierte Geld gibt es Service auf Enterprise-Niveau. Ein typisches Produkt enthält nicht nur den Code der Ransomware sowie die Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln, sondern liefert auch gleich die passenden Phishing-E-Mails, um einen Angriff zu starten, eine gute Dokumentation und 24/7-Support. Auch um die Abrechnung, das Monitoring, Updates und Statusberichte, Kalkulation und Prognosen hinsichtlich einer Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung wird sich gekümmert.

Potenzielle Opfer sind keineswegs hilflos

Trotz der Professionalität müssen Unternehmen und Behörden nicht tatenlos zusehen. Zwar sieht man sich jetzt anderen Angreifenden gegenüber, macht- und hilflos ist man keineswegs.

Teuer wird es dagegen auf jeden Fall, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist: Das FBI warnt regelmäßig davor, auf Forderungen von Erpressenden einzugehen, erst recht nicht bei organisierter Kriminalität und schon gar nicht bei Ransomware. Da hilft dann nur noch der teure, langwierige Neuaufbau oder der Versuch, die Verschlüsselung zu knacken. Günstiger ist es vielmehr, sich vorzubereiten.

Schützen können sich Unternehmen durch einige simple Maßnahmen und konsequentes Einhalten von Best Practices. Backups, an verschiedenen Orten und abgetrennt vom Tagesgeschäft, schützen die Daten. Zwei-Faktor-Authentifizierung behindert Angreifende, die an Passworte kommen konnten. Starke Passwörter sollten heute selbstverständlich sein, genauso wie eine smarte Netzwerksegmentierung. Planung, Incident-Response- und Recovery-Pläne müssen erstellt und regelmäßig getestet werden. Automatisierung, Monitoring und regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden hinsichtlich der IT-Sicherheit (z. B. Phishing-E-Mails) sind ein Muss. Der Automatisierung kommt dabei innerhalb der IT ein besonderer Stellenwert zu, weil die Angriffe bisweilen so schnell erfolgen, dass menschliche Reaktionen ins Leere laufen.

Die Basis für all diese Maßnahmen stellen Lösungen der Endpoint-Protection und des professionellen Schwachstellenmanagements dar. Das Wissen über Verwundbarkeiten und Schwachstellen in den Netzwerken ist hier Gold wert. Admins erkennen die Lücken Ihrer IT-Verteidigung und schließen diese, bevor Cyber-Kriminelle sie missbrauchen können – mit den Greenbone-Lösungen kontinuierlich und automatisch.

Die Produkte von Greenbone untersuchen fortlaufend das Unternehmensnetzwerk oder externe   IT-Ressourcen auf potenzielle Schwachstellen. Die speziell gehärteten Greenbone Enterprise Appliances oder der als Software as a Service verfügbare Greenbone Cloud Service, dessen Hosting in deutschen Rechenzentren erfolgt, garantieren täglich aktuelle Updates zu den neuesten Schwachstellen. Admins und IT-Management werden bei Bedarf sofort informiert, wenn sich bedrohliche Sicherheitslücken offenbaren. Auf diese Weise sind Unternehmen auch gut vorbereitet, wenn „Ransomware as a Service“ als Geschäftsmodell weiter zunimmt.

[1] https://www.unityit.com/ransomware-as-a-service/

[2] https://www.pcspezialist.de/blog/2021/06/14/raas-ransomware-as-a-service/

[3] https://www.crowdstrike.com/cybersecurity-101/ransomware/ransomware-as-a-service-raas/

[4] https://www.appknox.com/blog/ransomware-as-a-service

Immer wieder werden deutsche Behörden und Kommunen Ziele von Cyber-Angriffen. Der anschließende Wiederaufbau dauert oft mehrere Monate. Mit einem Schwachstellenmanagement kann das Risiko von Cyber-Angriffen drastisch reduziert werden – denn durch das Beseitigen von Schwachstellen wird Angreifenden die notwendige Grundlage genommen. Auch das Schwachstellenmanagement von Greenbone schützt Behörden – zu Sonderkonditionen.

Landkreise und Krankenhäuser gehackt, ganze IT-Infrastrukturen liegen lahm, zu behandelnde Personen werden ausgelagert, die Bundeswehr muss helfen: Was vor wenigen Jahren noch apokalyptisch anmutete, wurde im Sommer 2021 verstörende Realität. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurde der Katastrophenfall ausgerufen, weil sich Angreifende erfolgreich Zugriff auf die Netzwerke von Behörden oder deren Dienstleistenden verschafft hatten. Schwerin, Witten, Bitterfeld, Ludwigslust: Die Liste ist lang und nur großflächiges Deaktivieren der Server half den Betroffenen.

Abschalten hilft nur akut, der Neuaufbau dauert Monate

Wer sind die Angreifenden? Nicht immer ist es im digitalen Raum möglich, die Personen zu finden, die hinter den Taten stecken, sogar dann, wenn erpresserische Geschäftsmodelle und Lösegeldforderungen vorliegen. Meldepflichten und IT-Sicherheitsgesetze helfen den Betroffenen auch nicht konkret dabei weiter, denn der Schaden ist bereits entstanden: In der Regel wissen die Opfer noch nicht einmal gesichert, ob sie gezielt oder per Zufall angegriffen wurden. Die Schadenssummen sind immens, manche Behörden sind Monate mit dem Aufräumen und Wiederherstellen beschäftigt, nicht selten müssen ganze Systemlandschaften neu aufgebaut werden.

Dekoratives Bild einer Behörde

Cyber-Kriminelle nutzen Schwachstellen, die bereits gefixt waren

Warum aber fällt es Angreifenden so leicht, in fremde Netze einzudringen? Die meisten Angriffe, vor allem automatisierte, nutzen eigentlich schon lange geschlossene Schwachstellen für die Einbrüche.

Das funktioniert derzeit so gut, weil sich durch Systempflege allein nicht alle Systeme ausreichend auf Angriffe vorbereiten lassen. Schwachstellen können in Produkten, Systemkomponenten oder deren Konfiguration verborgen sein, die sich in den üblichen Infrastrukturen zu vielen tausenden Angriffspunkten summieren. Da stehen Hintertüren offen, die Angreifende aufspüren können, oft mit relativ einfach zu handhabenden Werkzeugen.

Schwachstellenscanner informieren und helfen, Lücken zu schließen

Dabei sind Admins, Behörden und Firmen keinesfalls machtlos. Was zählt, ist das Wissen über Verwundbarkeiten, Schwachstellen oder offene Flanken in den Netzwerken. Mit den richtigen Tools sind Sie Cyber-Kriminellen immer einen Schritt voraus, weil sie die Lücken Ihrer IT-Verteidigung erkennen, bevor Cyber-Kriminellen dies gelingt – mit den Greenbone-Lösungen klappt das kontinuierlich und automatisch.

Greenbone-Enterprise-Produkte untersuchen fortlaufend das Unternehmensnetzwerk oder externe IT-Ressourcen auf potenzielle Schwachstellen. Die speziell gehärtete Appliances – virtuell oder als Hardware verfügbar – oder der als Software-as-a-Service verfügbare Greenbone Cloud Service garantieren täglich aktuelle Updates zu den neuesten Schwachstellen. Admins und IT-Management werden bei Bedarf sofort informiert, wenn sich bedrohliche Sicherheitslücken offenbaren.

Sonderkonditionen für Behörden

Das erkennen auch mehr und mehr Behörden, die sich im Kampf gegen Cyber-Attacken für Greenbone entscheiden. Greenbone schützt Behörden zu Sonderkonditionen und die Lösungen können einfach über das Kaufhaus des Bundes beschafft werden.

 


Die Mitarbeitenden von Greenbone entwickeln derzeit einen komplett neuen Scanner für Versionsvergleiche. Greenbones neuer Schwachstellenscanner „Notus“ soll dabei zukünftig den Abgleich von Softwareversionen, CVEs und Patches deutlich beschleunigen.

Scanner-Architektur des neuen Schwachstellenscanners

Ein großer Teil des modernen Schwachstellenmanagements besteht aus dem Vergleich von Softwareversionen. Wer herausfinden will, ob sein Server gegen eine Sicherheitslücke gefeit ist, muss wissen, welche Version einer bestimmten Software auf dieser Maschine läuft. So mag Version 1 von einer Schwachstelle betroffen sein, die in Version 2 bereits gefixt ist. Ob Schwachstellenscanner wie der neue Schwachstellenscanner „Notus“ eine Warnung ausgeben, hängt unter anderem stark vom Ergebnis dieser Vergleiche ab.

Björn Ricks, Unit Lead Services & Platforms bei Greenbone erklärt: „Derlei Aufgaben machten allein mehr als ein Drittel der Arbeit eines Scanners aus, und der von uns speziell für Versionsvergleiche optimierte Scanner soll das deutlich beschleunigen.“

Performance-Engpässe bei klassischen Scannern

Am Anfang der Arbeit eines klassischen Scanners steht ein Advisory mit einer von Fachleuten gefundenen Lücke. Mitarbeitende von Greenbone suchen dann dazu passende (betroffene) Softwareversionen und solche, die den Fehler bereits behoben haben. Diese Informationen müssen nun dem Scanner zur Verfügung gestellt werden.

„Er klappert dann die relevanten Server ab und erfasst dort laufende Software. Für den eigentlichen Scan bekommt er im Wesentlichen nur die Infos über betroffene und gefixte Pakete“, erklärt Ricks. „Beim OpenVAS-Scanner und seinen Vorläufern mussten wir in der Regel pro Versionscheck einen eigenen Prozess starten, das heißt ein separates manuell erstelltes Skript. Diese Skripte automatisch zu generieren ist aufwendig.“

JSON-Daten helfen, den Scanner zu beschleunigen

Der neue Scanner dagegen lädt nur noch die benötigten Daten aus Dateien im JSON-Format, einem einfach lesbaren Klartext-Standard. „Die Logik für die Tests steckt damit nicht mehr in den Skripten. Das hat viele Vorteile: weniger Prozesse, weniger Overhead, weniger Speicherbedarf“. Ricks hält den Ansatz für „deutlich effizienter“.

Elmar Geese, COO von Greenbone Networks erklärt: „Unser neuer Notus-Scanner wird ein Meilenstein für unsere Nutzenden, er wird die Performance deutlich verbessern. Unsere bekannt hohe Erkennungsqualität wie auch die Performance sind zentrale Ziele unserer Produktstrategie, und der neue Scanner unterstützt das optimal.”

Das „Notus“-Projekt besteht aus zwei Teilen: einem „Notus“-Generator, der die JSON-Dateien mit den Informationen über verwundbare RPM-/Debian-Pakete erzeugt und dem „Notus“-Scanner, der diese JSON-Dateien lädt und die Informationen daraus interpretiert. Den neuen Schwachstellenscanner „Notus“ will Greenbone in den nächsten Monaten fertig stellen.

Über Greenbone und OpenVAS

Als das Entwicklungsteam des Schwachstellenscanners Nessus im Jahr 2005 beschloss, nicht mehr unter Open-Source-Lizenzen zu arbeiten und zu einem proprietären Geschäftsmodell zu wechseln, entstanden mehrere Forks von Nessus. Nur einer davon ist noch aktiv: das Open Vulnerability Assessment System (OpenVAS).

Die Gründung von Greenbone im Jahr 2008 verfolgte das Ziel, die Entwicklung von OpenVAS voranzutreiben und Anwendern professionelle Unterstützung für Schwachstellenscans bereitzustellen. Greenbone begann, die Weiterentwicklung von OpenVAS zu leiten, fügte mehrere Softwarekomponenten hinzu und verwandelte OpenVAS so in eine umfangreiche Schwachstellenmanagement-Lösung, die dennoch die Werte der freien Software in sich trägt. Die ersten Appliances kamen im Frühjahr 2010 auf den Markt.

Mithilfe der Greenbone-Produkte können bekannte Schwachstellen in einer IT-Infrastruktur aufgespürt werden, um sie anschließend zu beseitigen. Den Schweregrad einer Schwachstelle zu bewerten, ist ein essenzielles Hilfsmittel, um die nachfolgenden Beseitigungsmaßnahmen zu planen und zu priorisieren. CVSS bietet solch eine Bewertung nach einem Kennzahlensystem. Seit 2021 unterstützen die aktuellen Greenbone-Lösungen auch die CVSS-Versionen 3.0 und 3.1. Zur selben Zeit hat Greenbone begonnen, alle Schwachstellentests, für die eine entsprechende Bewertung verfügbar ist, mit dieser zu versehen. Seit Oktober 2021 ist diese Arbeit nun abgeschlossen und es gibt – soweit möglich – eine vollständige CVSSv3x-Abdeckung in den Greenbone-Feeds.

Hilfreiche Schweregrad-Kennzahlen

Jeder Cyber-Angriff benötigt eine Schwachstelle, um erfolgreich zu sein. Die meisten Schwachstellen, nämlich 999 von 1.000, sind bereits seit über einem Jahr bekannt und können daher proaktiv aufgedeckt und beseitigt werden. Zur Erkennung kommt dabei ein Greenbone-Schwachstellenscanner zum Einsatz, welcher die bekannten Schwachstellen in einer IT-Infrastruktur aufspürt.

Werden Schwachstellen aufgedeckt, können sie anschließend mit den unterschiedlichsten Maßnahmen beseitigt werden. Die am dringendsten zu beseitigenden Schwachstellen sind die, die ein kritisches Risiko für das IT-System darstellen. Für die Auswahl der Maßnahmen und der Reihenfolge, wird eine Priorisierung benötigt.

Zur Priorisierung ist der Schweregrad ein essenzielles Mittel. Wie Schwachstellen aber überhaupt einen Schweregrad erhalten und wie dieser berechnet wird, schauen wir uns hier einmal genauer an.

Wie Bewertungen des Schweregrads entstehen

In der Vergangenheit entdeckten und meldeten unterschiedliche Organisationen und Security-Research-Teams Schwachstellen zur gleichen Zeit und benannten diese mit unterschiedlichen Namen. Dies führte dazu, dass die gleiche Schwachstelle von z. B. mehreren Scannern unter unterschiedlichen Namen gemeldet wurde, was die Kommunikation und den Vergleich der Ergebnisse erschwerte.

Um das zu beheben, gründete MITRE das Projekt „Common Vulnerabilities and Exposures“ (CVE). Jeder Schwachstelle erhielt als zentrale Referenz eine eindeutige Kennzeichnung, die aus dem Veröffentlichungsjahr und einer einfachen Nummer besteht. Die CVE-Datenbank wird genutzt, um Schwachstellen-Datenbanken mit anderen Systemen zu verbinden und den Vergleich von Sicherheitswerkzeugen und -diensten zu ermöglichen.

CVEs enthalten somit keine detaillierten, technischen Informationen oder Informationen bezüglich der Risiken, Auswirkungen oder Beseitigung einer Schwachstelle. In manchen Fällen ist die Version hinterlegt, in der die Schwachstelle beseitigt wurde.

Nähere Informationen zu einer Schwachstelle finden sich in der National Vulnerability Database (NVD). Die NVD – ein Datenspeicher für das Schwachstellenmanagement der US-Regierung – ergänzt die CVEs mit Informationen bezüglich der Beseitigung, den möglichen Auswirkungen, den betroffenen Produkten und auch dem Schweregrad einer Schwachstelle.

Wie berechnet sich der Schweregrad einer Schwachstelle?

Um die Bewertung von Schwachstellen zu ermöglichen, wurde das Common Vulnerability Scoring System (CVSS) entwickelt. Das CVSS ist ein Industriestandard zum Beschreiben der Schweregrade von Sicherheitsrisiken in IT-Systemen. Es wurde von der CVSS Special Interest Group (CVSS-SIG) des Forum of Incident Response and Security Teams (FIRST) entwickelt. Die neueste CVSS-Version ist 3.1.
Der CVSS-Score bewertet Schwachstellen hinsichtlicht verschiedener Kritierien, sogenannter „Metrics“: Base-Score-Metrics, Temporal-Score-Metrics und Environmental-Score-Metrics.

  • Base-Score-Metrics: Die Base-Score-Metrics stellen die grundlegenden Merkmale einer Schwachstelle dar, die unabhängig von der Zeit und der IT-Umgebung sind: Wie gut lässt sich die Schwachstelle ausnutzen und welche Auswirkungen hat dies?
  • Temporal-Score-Metrics: Die Temporal-Score-Metrics stellen Eigenschaften dar, die sich über die Zeit ändern können, aber in unterschiedlichen IT-Umgebungen gleich sind. So würde beispielsweise das Bereitstellen eines Patches durch das bereitstellende Unternehmen den Score senken.
  • Environmental-Score-Metrics: Die Environmental-Score-Metrics stellen die Merkmale dar, die für eine spezifische IT-Umgebung gelten. Relevant sind hierbei, wie gut die betroffene Organisation erfolgreiche Angriffe abfangen können oder welchen Stellenwert ein bestimmtes angreifbares System innerhalb der IT-Infrastruktur hat.

Da im Allgemeinen lediglich die Base-Score-Metrics aussagekräftig sind und dauerhaft bestimmt werden können, werden in der Regel nur diese veröffentlicht und genutzt.

CVSSv3.0/v3.1-Unterstützung seit GOS 21.04

Seit GOS 21.04, welches im April 2021 veröffentlich wurde, werden auch die Versionen 3.0 und 3.1 von CVSS unterstützt. Zwar enthalten einige CVEs – und somit auch die zugehörigen Schwachstellentests – weiterhin CVSS-Daten der Version 2, allerdings betrifft dies hauptsächlich ältere CVEs aus dem Jahr 2015 und früher, für die in der NVD noch keinen CVSS-v3.0/v3.1-Score hinterlegt sind.

Blicken wir auf die größten Änderungen, die die Versionen 3.0 und 3.1 beinhalten.

Im Vergleich zu CVSS Version 2.0 wurden in Version 3.0 zwar die Hauptgruppen der Metrics – Base, Temporal und Environmental – beibehalten, aber neue Kriterien hinzugefügt. Beispielsweise die Metrics „Scope (S)“, was angibt, ob eine Schwachstelle auch andere Bestandteile eines IT-Netzwerks beeinträchtigen kann und „User Interaction (UI)“.

Auch wurden einige bereits vorhandene Kriterien durch neuere ersetzt: so wurde „Authentication (Au)“ zu „Privileges Required (PR)“. Gemessen wird nicht mehr, wie oft sich Angreifende bei einem System authentifizieren müssen, sondern welches Zugriffslevel für einen erfolgreichen Angriff notwendig ist.

Außerdem wurden die Schweregrade feiner unterteilt. In Version 2.0 wurden die Werte von 0 bis 10 auf drei Schweregrade aufgeteilt: „Low“ (0,0 – 3,9), „Medium“ (4,9 – 6,9) und „High“ (7,0 – 10,0). Seit Version 3.0 gibt es fünf Stufen: „None“ (0,0), „Low“ (0,1 – 3,9), „Medium“ (4,0 – 6,9), „High“ (7,0 – 8,9) und „Critical“ (9,0 – 10,0).

CVSS-Version 3.1 brachte keine Änderungen an den Metrics oder den Berechnungsformeln mit sich. Stattdessen lag der Fokus darauf, herauszustellen, dass CVSS den Schweregrad einer Schwachstelle misst und nicht das Risiko, welches sie darstellt. Ein weit verbreiteter Fehler war es, den CVSS-Score als alleiniges Merkmal für das Risiko einer Schwachstelle zu sehen und keine vollumfängliche Risikobewertung vorzunehmen.

In diesem Zuge wurden die Definitionen der Metrics eindeutiger formuliert und das Glossar erweitert.

Vollständige CVSSv3.0/v3.1-Abdeckung im Feed

Mit der Unterstützung von CVSS-v3.0/v3.1 im April 2021 begann Greenbone damit, alle Schwachstellentests, denen ein CVSSv3.0/v3.1-Score in der NVD zugewiesen wurde, zu aktualisieren und mit einem CVSSv3.0/v3.1-Score zu versehen.

Dies erfolgte in täglichen Etappen von 500 – 600 Schwachstellentests. Die Aktualisierung und Umstellung wurde dabei gründlich reviewt und geprüft. Seit Oktober 2021 ist diese Arbeit nun abgeschlossen. Somit gibt es – soweit es möglich ist – eine vollständige CVSSv3x-Abdeckung in den Greenbone-Feeds.